Ratgeber
Forward-Darlehen: Zinsen heute sichern
Mit einem Forward-Darlehen sichern Sie sich den aktuellen Zinssatz für Ihre Anschlussfinanzierung — bis zu 60 Monate im Voraus. Der Forward-Aufschlag ist der Preis für diese Planungssicherheit.
Forward-Aufschlag im Überblick
Zinssicherung bei 3,5 % Basiszins
200.000 € Restschuld, 10 Jahre Zinsbindung
| Vorlaufzeit | Forward-Aufschlag | Effektiver Zins |
|---|---|---|
| 12 Monate | + 0,15 % | 3,65 % |
| 24 Monate | + 0,35 % | 3,85 % |
| 36 Monate | + 0,55 % | 4,05 % |
| 48 Monate | + 0,80 % | 4,30 % |
| 60 Monate | + 1,05 % | 4,55 % |
Beispielhafte Aufschläge. Tatsächliche Konditionen variieren je nach Bank und Marktlage.
12–60 Mon.
Mögliche Vorlaufzeit
0,01–0,03 %
Aufschlag pro Monat Vorlauf
Kostenfrei
Kein Bereitstellungszins in der Vorlaufzeit
Was ist ein Forward-Darlehen?
Ein Forward-Darlehen ist ein Annuitätendarlehen, das Sie heute abschließen, dessen Auszahlung aber erst in der Zukunft erfolgt — zum Beispiel wenn Ihre aktuelle Zinsbindung ausläuft. Der Zinssatz wird bei Vertragsabschluss festgelegt, nicht bei Auszahlung.
Der Begriff 'Forward' (englisch: vorwärts) beschreibt genau dieses Prinzip: Sie blicken voraus und sichern sich heutige Konditionen für einen zukünftigen Zeitpunkt. Das Darlehen löst nahtlos die bestehende Finanzierung ab.
Wie funktioniert ein Forward-Darlehen?
Sie schließen den Kreditvertrag ab, sobald die Konditionen stimmen — oft 12 bis 36 Monate vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung. Die Bank berechnet einen Zinsaufschlag (Forward-Aufschlag), der die Vorlaufzeit kompensiert.
Während der Vorlaufzeit fallen weder Zinsen noch Tilgung an. Erst ab dem vereinbarten Starttermin beginnt die reguläre Rückzahlung. Der Forward-Aufschlag ist kein separater Posten, sondern im Zinssatz eingerechnet.
- Vorlaufzeit: 12 bis 60 Monate (bankabhängig).
- Forward-Aufschlag: ca. 0,01–0,03 Prozentpunkte pro Monat.
- Keine Bereitstellungszinsen während der Wartezeit.
- Vertrag ist bindend — auch wenn die Zinsen sinken.
Kosten: Der Forward-Aufschlag
Der Forward-Aufschlag ist der zentrale Kostenfaktor. Er steigt mit der Vorlaufzeit: Bei 12 Monaten liegt er typisch bei 0,10–0,20 Prozentpunkten, bei 36 Monaten bereits bei 0,40–0,80 Prozentpunkten.
Ob sich der Aufschlag lohnt, hängt von der Zinsentwicklung ab. Steigen die Marktzinsen stärker als der Aufschlag, war das Forward-Darlehen ein gutes Geschäft. Sinken die Zinsen, zahlen Sie mehr als nötig — können den Vertrag aber nicht einfach kündigen.
Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?
Ein Forward-Darlehen ist sinnvoll, wenn Sie steigende Zinsen erwarten und Planungssicherheit wünschen. Besonders bei hoher Restschuld kann bereits ein kleiner Zinsanstieg die Monatsrate spürbar erhöhen.
Auch wer seine Anschlussfinanzierung frühzeitig absichern möchte, ohne den Stress eines kurzfristigen Vergleichs kurz vor Zinsbindungsende, profitiert von einem Forward-Darlehen. Die Entscheidung kann in Ruhe getroffen werden.
- Steigende Zinsen werden erwartet.
- Hohe Restschuld macht Zinsänderung spürbar.
- Planungssicherheit hat persönlich hohen Stellenwert.
- Zinsbindungsende ist 12–36 Monate entfernt.
Risiken und Nachteile
Das Hauptrisiko besteht darin, dass die Marktzinsen sinken, Sie aber an den höheren Forward-Zins gebunden sind. Eine vorzeitige Kündigung ist nur unter Zahlung einer Nichtabnahmeentschädigung möglich, die ähnlich einer Vorfälligkeitsentschädigung berechnet wird.
Außerdem bindet das Forward-Darlehen Sie an eine bestimmte Bank. Wenn zwischenzeitlich bessere Angebote am Markt erscheinen, können Sie nicht wechseln. Die Entscheidung sollte daher gut überlegt und auf einer realistischen Zinseinschätzung basieren.
Alternativen zum Forward-Darlehen
Wer kein Forward-Darlehen abschließen möchte, kann kurz vor Zinsbindungsende eine klassische Umschuldung oder Prolongation nutzen. Bei der Prolongation verlängert die bisherige Bank den Vertrag zu aktuellen Konditionen, was wenig Aufwand bedeutet.
Eine weitere Alternative ist ein variables Darlehen, das jederzeit in ein Festzinsdarlehen umgewandelt werden kann. Das bietet maximale Flexibilität, birgt aber das Risiko steigender Zinsen während der variablen Phase.
- Prolongation: einfach, aber nicht immer bester Zins.
- Umschuldung: Bankwechsel mit Grundschuldabtretung.
- Variables Darlehen: flexibel, aber Zinsrisiko.
- Cap-Darlehen: variabler Zins mit Obergrenze (selten angeboten).
Häufige Fragen
Fragen zum Forward-Darlehen
Wie weit im Voraus kann ich ein Forward-Darlehen abschließen?
Die meisten Banken bieten Vorlaufzeiten von 12 bis 60 Monaten an. Je länger die Vorlaufzeit, desto höher der Forward-Aufschlag. Üblich und oft sinnvoll sind 12 bis 36 Monate.
Wie hoch ist der Forward-Aufschlag?
Typisch sind 0,01 bis 0,03 Prozentpunkte pro Monat Vorlaufzeit. Bei 24 Monaten Vorlauf ergibt das einen Aufschlag von 0,24 bis 0,72 Prozentpunkten auf den aktuellen Marktzins.
Kann ich ein Forward-Darlehen kündigen?
Ein Forward-Darlehen ist ein bindender Vertrag. Wenn Sie das Darlehen nicht abnehmen, fällt eine Nichtabnahmeentschädigung an. Nach 10 Jahren Laufzeit greift das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB.
Fallen während der Vorlaufzeit Kosten an?
Nein. Während der Forward-Phase fallen keine Bereitstellungszinsen, Zins- oder Tilgungszahlungen an. Die Kosten der Vorlaufzeit sind im Forward-Aufschlag eingepreist, der auf den Darlehenszins addiert wird.
Forward-Darlehen oder abwarten?
Wenn Sie steigende Zinsen erwarten und hohe Planungssicherheit schätzen, lohnt sich ein Forward-Darlehen. Wenn Sie flexibel bleiben und auf sinkende Zinsen hoffen möchten, kann Abwarten mit kurzfristiger Prolongation sinnvoller sein.
Eignet sich ein Forward-Darlehen für Kapitalanleger?
Ja. Kapitalanleger profitieren besonders von Planungssicherheit bei der Anschlussfinanzierung, weil steigende Zinsen den Cashflow direkt belasten. Der Forward-Aufschlag ist als Werbungskosten steuerlich absetzbar.